Rezensionen

Rezension: Beat it Up* von Stella Tack

Bewertung: 3 von 5.

Summer Price, ist an ihrer Universität als das Pianowunderkind mit dem absoluten Gehör bekannt. Doch dadurch ist sie auch sehr empfindlich was laute Geräusche angeht und meidet weitestgehend gut besuchte Orte. Für Summer ist bereits in einer Mensa zu essen eine große Herausforderung. Dementsprechend hat sie auch kaum Freunde. Nur ihr Kindheitsfreund Ethan steht noch immer treu an ihrer Seite und stellt ihre Bedürfnisse über seine. Als Ethan jedoch Summer seine Gefühle gesteht, welche nicht rein freundschaftlicher Natur sind, weiß sie nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. Natürlich liebt sie Ethan, doch liebt sie ihn auch auf diese Weise? Plötzlich kommt ihr sehr gelegen, dass ihr Zwillingsbruder Xander sie zu sich nach New York eingeladen hat, um mit ihr zusammen einen Song für das anstehende Beat it Up Festival zu schreiben. Summer kommt jedoch nicht umhin auch Gabriel, den ärgsten Konkurrenten ihres Bruders kennenzulernen. Obwohl sie es eigentlich nicht sollte, beginnt sie sich schnell für den jungen Mann, der eine Stimme wie flüssiges Karamell besitzt, zu interessieren. Schließlich entscheidet sie sich Xander und damit auch Gabriel, bei der Beat it Up Tour zu begleiten. Doch schnell zeigt sich, dass ein lautes Festival vielleicht nicht der beste Ort für Summer ist …

Charaktere:

Ich persönlich empfand Summer als ein bisschen anstrengend, was vor allem mit ihrem Gehör zusammenhing. Sie hat sich immer wieder in Situationen gebracht, von denen sie eigentlich genau wusste, dass sie böse enden könnten. Was in den meisten Fällen auch so war. Außerdem musste sie dann jedes Mal von anderen sozusagen ‚gerettet‘ werden, vorrangig von Gabriel, was bei mir so ein bisschen einen Beigeschmack von „der Protagonist als der strahlende Retter der schwachen Frau“ hatte. Mir hat außerdem nicht wirklich gefallen, wie sie mit ihrem besten Freund umgegangen ist. Eigentlich hat man relativ schnell gemerkt, dass sie nicht dasselbe wie er empfindet, anstatt ihm das zu sagen, hat sie lieber Abstand gesucht und ihn auf eine Antwort warten lassen. An sich wäre das zumindest noch halbwegs im Rahmen, ist ja in Ordnung, dass sie sicher sein wollte. Ihm dann aber vorzuwerfen, dass er parallel etwas Lockeres mit einer anderen hatte, während sie ja selbst ziemlich für Gabriel schwärmt und Ethan warten hat lassen, fand ich persönlich ziemlich unfair. Viel mehr habe ich gar nicht zu Summer zu sagen, ich fand sie wurde gar nicht mal so sehr ins Detail gehend beschrieben. Sie ist für mich vorrangig durch ihr Gehör und ihr sonstiges Verhalten charakterisiert wurden. Was ich ganz gut fand, war am Ende ihre Entwicklung in Hinsicht auf ihre Mutter, da sie endlich durchgesetzt hat, was sie sich wünscht, anstatt zu machen, was die Mutter möchte. Allerdings hätte ich mir schon früher mehr Entwicklung gewünscht.

Xander, Summers Zwillingsbruder, weckt bei mir ein bisschen gemischte Gefühle. An manchen Stellen empfand ich ihn als sehr lustig und sympathisch, aber an vielen Stellen auch nicht. Ich mochte nicht, dass er Summer oft versucht hat zu Dingen zu überreden, die sie nicht wollte. Auch, wenn er es manchmal vielleicht nur gut meinte, sollte man respektieren, dass nicht jeder so ist und empfindet wie man selbst. Ich fand auch traurig, dass er im Endeffekt nur bei Summer ankam, weil er etwas von ihr wollte und dann auch noch etwas, für das die beiden ziemlich Probleme bekommen könnten. Aber wenigstens hatte auch er zum Ende des Buchs hin eine Entwicklung. Ich hatte das Gefühl, dass er selbst erkannt hat, dass er als Bruder vielleicht nicht einen allzu guten Job gemacht hat. Und man merkte auch, dass er das nun besser machen möchte.

Gabriel, was soll ich sagen. Er ist ungefähr die gesamte erste Hälfte des Buchs ein ziemliches Arschloch. Ganz klassisch mit einer Menge Bettgeschichten, zweideutigen Sprüchen und küssen der Protagonistin ohne Einwilligung. Es gibt sicher einige Leser, die das mögen, was natürlich vollkommen in Ordnung ist, ich gehöre nur einfach nicht dazu. Ich finde es meiste etwas unauthentisch, wenn ein Mann innerhalb von drei Wochen vom Frauenhelden zu einem treuen, wahnsinnig verliebten Freund wird. Die Zeitspanne ist mir für eine so drastische Veränderung ein wenig kurz. Im hinteren Teil des Buchs ist er dann aber auf jeden Fall wirklich nett und deutlich sympathischer.

Schreibstil/Spannungsbogen:

Der Schreibstil ist für mich der Grund, weshalb ich trotz einiger Kritik, dem Buch dennoch drei Sterne gegeben habe. Obwohl ich vielem kritisch gegenüberstehe, habe ich es wirklich gerne gelesen. Einfach, weil die Autorin so einen unglaublich flüssigen, angenehmen und humorvollen Schreibstil hat. Das Buch hat sich einfach so weggelesen und das, obwohl ich nicht ganz warm mit den Charakteren geworden bin. Was ich mir persönlich gewünscht hätte, wäre ein bisschen mehr Tiefe gewesen. Ich fand die Beziehungen der Figuren etwas oberflächlich gehalten und auch die Konflikte wurden nicht wirklich stark ausgearbeitet. Allerdings verstehe ich auch, wenn man genau deshalb das Buch mag. Wenn man eher Lust auf eine sehr lockere Geschichte hat, dann wird man hier auf jeden Fall fündig. Ist ja auch vollkommen legitim, dass man mal nicht viel Dramatik und Tiefgang möchte. Ich persönlich hätte es einfach schön gefunden. Was die Spannung betrifft, auch die wurde vor allem durch den Schreibstil gegeben. Wie bereits gesagt, gab es jetzt nicht DIE packende Handlung, aber es war einfach so gutgeschrieben, dass man dennoch einfach weiterlesen wollte. Ich möchte allerdings auch anmerken, dass man einige Sachen in dem Buch mit Vorsicht genießen sollte. Ich denke nicht, dass die Autorin es mit Absicht gemacht hat, aber ich fand das viele Dinge, die wahrscheinlich lustig gemeinte waren, einige Klischees reproduzieren. Da ich nichts spoilern möchte, werde ich es an dieser Stelle nicht weiter vertiefen was ich genau meine, aber solltet ihr das Buch lesen oder gelesen haben, schreibt mir gerne mal in den Kommentaren, dann können wir gerne darüber ein bisschen quatschen!

Fazit:

Trotz vieler Kritikpunkte habe ich „Beat it Up“ an sich sehr gerne gelesen. Ich mag Stella Tacks Schreibstil sehr und würde auch noch einen weiteren Teil lesen wollen. Dennoch hat mir ganz persönlich ein bisschen Tiefe gefehlt und ich bin nicht hundertprozentig mit den Charakteren warm geworden. Außerdem würde ich mir wünschen, sollte es noch einen weiteren Band geben, dass vorsichtiger mit dem Reproduzieren von solchen Klischees umgegangen wird. Zwar denke ich nicht, dass es absichtlich die entsprechenden Gruppen verletzten sollte, sondern humorvoll gemeint war, dennoch denke ich, dass es in dieser Masse zu viel war. Es waren an sich alles eher Kleinigkeiten, aber dadurch, dass es in der Summer dann doch so viele Klischees waren, würde ich mir sehr wünschen, dass es bei künftigen Büchern doch nochmal überdacht wird auf wessen Kosten man gerade einen Witz macht und, ob es nicht auch lustig sein kann, ohne potenzielle Leser der jeweiligen Gruppe in eine Schublade zu stecken.


Produktdetails:

  • Seitenanzahl: 384
  • Erscheinungsdatum: 03.08.2020
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN:978-3-426-52524-1
  • Verlag: Knaur Taschenbuch
  • Autor*in: Stella Tack

* Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.


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* bei kadegu (Kaufhaus des Guten), werden 10 Cent pro Bestellung an ein Kinderhilfsprojekt gespendet.

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