Rezensionen

Rezension: Kissing Lessons* von Helen Hoang

Bewertung: 4 von 5.

Stella hat mit ihren 30 Jahren mittlerweile relativ gut gelernt mit ihrem Asperger-Syndrom umzugehen. Auch, wenn sie sich immer noch mit der ein oder anderen Sache etwas schwertut, merken Menschen, die sie nicht näher kennen gar nicht, dass sie dadurch in gewisser Weise beeinträchtigt ist. Doch in einer Hinsicht fehlen ihr schlichtweg die Erfahrungen, und zwar was Männer angeht. Es ist nicht so, dass sie es nicht probiert hätte, doch es hat sich nie richtig angefühlt. Als ihr Arbeitskollege, mit dem ihre Mutter sie gerne zusammen sehen würde, ihr im Scherz sagt, dass Übung den Meister machen würde, regt er bei Stella etwas an. Für sie klingt das ganz logisch, wenn sie irgendwann eine Beziehung führen möchte, muss sie lernen mit einem Mann auch körperlich zusammen sein zu können. Und wie könnte sie das besser üben, als mit jemanden der es professionell aufzieht?

Stella entscheidet sich also sich an einen Escort Service zu wenden. Ihre Wahl fällt auf Michael, welchen sie direkt für den kommenden Freitag bucht. Am besagten Freitag, werden jedoch beide positiv vom anderen überrascht. Stella fällt nicht unter die Kategorie der älteren Damen, die Michael normal buchen und Micheal zeigt sich als deutlich verständnisvoller und feinfühliger als alle Männer mit denen Stella bisher zu tun hatte. Schnell wird den beiden klar, dass Stellas anfänglicher Plan nicht von Erfolg gekrönt sein wird und so macht sie ihm ein anderes Angebot. Sie möchte, dass er sich regelmäßig mit ihr trifft, sodass sie ihre Angst verlieren kann. Allerdings verstößt dies gegen Micheals „niemals eine Kundin zweimal treffen“-Regel. Doch irgendwie hat Stella ihn in ihren Bann gezogen, ob Micheal für sie eine Ausnahme machen wird? Ja, doch lasst euch überraschen, welche Konsequenzen das nach sich ziehen wird.

Charaktere:

Stella ist ein sehr lieber, leicht zu verunsichernder Charakter. Vor allem durch ihr Syndrom hat sie die Grundeinstellung, dass kein Mann an ihr wahrhaftig interessiert sein könne und Michael viel zu gut für sie sei. Aufgrund dessen entstehen auch viele Missverständnisse im Laufe der Handlung. Was mir allerdings wiederum wirklich gut gefallen hat, war das Micheal mit denselben Ängsten zu kämpfen hatte und das, obwohl er nicht das Asperger-Syndrom hat. Es zeigt sehr schön, dass jeder solche Ängste hat und das Stella nicht auf ihre Krankheit runter reduziert wird. Obwohl Micheal um diese weiß, hält er sie für zu gut für sich, aufgrund ihres tollen Charakters, ihres erstaunlichen Intellekts und seiner eigenen Probleme. Ich empfand es allerdings auch ein bisschen als zu viel, dass sich die beiden zu gut für den jeweils anderen hielten, wodurch sie auch dauerhaft daran gezweifelt haben, dass sie einander vielleicht lieben könnten. Außerdem hatte mir persönlich das Buch einen zu großen sexuellen Anteil. Natürlich passt es sehr gut zur umgekehrten Pretty Woman Story, aber dennoch hätte ich mir eher mehr Kommunikation zwischen den beiden gewünscht.

Schreibstil/Spannungsbogen:

Ich habe „Kissing Lessons“ wirklich gerne gelesen. Der Schreibstil war flüssig, angenehm und humorvoll. Ich kann natürlich nur bedingt beurteilen, wie realistisch die Autorin das Thema Autismus/Asperger-Syndrom dargestellt hat, aber für mich war es gut umgesetzt und hat einen kleinen Einblick vermittelt. Ich habe vor einer Weile ein Buch mit einem kleinen Jungen gelesen, der ebenfalls dieses Syndrom hatte. Für mich war es sehr interessant zu lesen, dass sich im Lauf des Lebens Autisten bestimmte Mechanismen anzutrainieren und nach und nach etwas besser mit äußeren Einflüssen klarzukommen scheinen. Jedoch bin ich mir sicher, dass es von Mensch zu Mensch immer individuell ist und dementsprechend nicht pauschal anhand von zwei Büchern zusammengefasst werden kann. So oder so finde ich es toll zumindest einen kleinen Einblick bekommen zu haben.

Was die Spannung betrifft, war ich auch hier gut unterhalten. Wie bereits angerissen, war es mir teilweise zu viel Körperliches zwischen den Beiden, weshalb ich auch bei der Spannung ein bisschen was abgezogen habe, aber sowas ist ja eine sehr individuelle Kritik.

Fazit:

 Mir hat der erste Teil der „KISS, LOVE & HEART-Trilogie“ von Helen Hoang wirklich gut gefallen. In der Mitte hat es sich für mich ein bisschen gezogen und es waren mir ein paar zu viele Missverständnisse, die man durch Kommunikation gut hätte aus der Welt schaffen können, aber dennoch kann ich das Buch wirklich besten Gewissens empfehlen. Es hat wirklich Spaß gemacht zu lesen, der Schreibstil war sehr angenehm und auch die Protagonisten einfach sympathisch und liebenswert. Ich habe glücklicherweise den zweiten Band schon auf meinem SUB liegen und freue mich, dass nächstes Jahr ebenfalls ein dritter erscheinen wird.  


Produktdetails:

  • Seitenanzahl: 416
  • Erscheinungsdatum: 15.10.2019
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3-499-27536-4
  • Verlag: KYSS
  • Autor*in: Helen Hoang
  • Originaltitel: The Kiss Quotient
  • Übersetzer*innen: Anita Nirschl

* Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.


Meine Rezension findet ihr des Weiteren auf:


Das Buch ist erhältlich bei:

* bei kadegu (Kaufhaus des Guten), werden 10 Cent pro Bestellung an ein Kinderhilfsprojekt gespendet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.