Rezensionen

Rezension: Das Licht von tausend Sternen* von Leonie Lastella

„Eine Liebe, die heller strahlt als ein Himmel voller Sterne“

– Leonie Lastella
Bewertung: ★ ★ ★ ★

Zwischen Pflichtbewusstsein und dem Drang endlich man selbst sein zu dürfen.


Harpers kleiner Bruder ist Autist. Ihr Vater ist vor einigen Jahren verstorben und ihre Mutter arbeitet nachts im Krankenhaus. Um die Betreuung ihres Bruders zu gewährleisten, muss Harper weitestgehend ihr eigenes Leben zurückstellen. Nicht einmal ihr Studienfach konnte sie frei wählen. Während ihr Herz für die Künste schlägt, hat sie sich für Sozialpädagogik entschieden um ihren Bruder besser unterstützen zu können. Und obwohl sie ihren Bruder über alles liebt, ist es schwer immer wieder zurückstecken zu müssen und sein Leben nach jemand anderen auszurichten, auch wenn man weiß, dass sich der andere das auch alles so nicht ausgesucht hat.

Doch was ist, wenn du dich plötzlich verliebst und dir nichts sehnlicher wünschst als Zeit mit ihm verbringen zu können? Doch was ist, wenn du Angst haben musst ihn direkt wieder zu verlieren, weil er sein Leben lang gegenüber seiner kranken Schwester zurückstecken musstest und es leid ist die zweite Geige im Leben einer geliebten Person zu spielen?
Harper tanzt auf einem schmalen Grat zwischen sich endlich ein wenig Freiheit erlauben, um ihr eigenes Leben zu leben und ihre Träume zu verwirklichen und sowohl ihre Familie als auch Ashton zu verletzen und zu hintergehen.

Charaktere:

Harper ist meiner Meinung nach auf der einen Seite sehr reif und auf der anderen Seite auch wiederum nicht. Aber ehrlich gesagt, passt das auch sehr gut zur Handlung des Buchs. Eigentlich ist sie sehr diszipliniert, da sie genau weiß, dass ihre Mutter ihre Hilfe braucht und sie ein wichtiger Anker für ihren Bruder ist, welcher durch seine Krankheit nicht gut mit Veränderungen umgehen kann. Deswegen weiß sie genau, wie wichtig es ist pünktlich nach Hause zu kommen und ihre Pflichten nicht zu vernachlässigen. Und genau an diese Dinge hält sie sich, bis Ashton in ihrem Leben auftaucht. Beziehungsweise, er taucht nicht nur einfach auf, er ist vor allem sehr bemüht ein fester Bestandteil ihres Lebens zu werden … ganz besonders als sie anfangs eine starke Abwehrhaltung ihm gegenüber zeigt. Zu Beginn des Buchs ist Harper noch sehr bemüht Ashton auf Abstand zu halten, da sie genau weiß wie kompliziert ihr Leben ist und das sie so schon keine Zeit für sich selbst hat. Doch nach und nach bröckelt ihr Widerstand und sie ergaunert sich Zeit mit Ash, durch Schwänzen der Uni oder zu spätes nach Hause kommen. Nach und nach beugt Harper diese Grenzen immer weiter aus. Das Problem dabei ist vor allem, dass sie ihrer Mutter nicht erzählt, weshalb sie in letzter Zeit weniger zuverlässig ist. Ihr ganzer Umgang mit Ashton und ihrer Mutter ist für mich der Teil, der eher naiv ist. Anstatt mit ihnen darüber zu reden, was sie bedrückt, versucht sie alles mehr schlecht als recht unter einen Hut zu bringen, was ihr schließlich natürlich auch um die Ohren fliegt.

Ansonsten ist Harper aber eine wirklich angenehme Protagonistin. Sie hat Witz, kann auch durchaus recht taff sein … und ganz ehrlich, man muss schon stark sein, um mit dieser Situation fertig zu werden. Ich bewundere wie gelassen sie meistens mit allem umgeht. Ich denke, ich hätte da deutlich größere Schwierigkeiten meine Bedürfnisse so zurückzustellen und es hinunterzuschlucken.

Nicht nur Harper, sondern auch Ashton ist ein wirklich toller Charakter. Wie auch Harpers Bruder, hatte es auch seine Schwester nicht besonders gut getroffen. Sie ist früh an Krebs erkrankt und musste jahrelang kämpfen, bevor sie schließlich leider verlor. Auch Ashton musste sein ganzes Leben zurückstecken, da natürlich auch seine Eltern vor allem um seine Schwester besorgt waren. Dennoch hat er es ihr nie übelgenommen und sie von ganzem Herzen geliebt. Im Gegensatz zu seinen Eltern wollte seine Schwester allerdings auch, dass er sein Leben lebt und seine Träume verfolgt. Dies hat er sich allerdings erst nach ihrem Tod erlaubt … ganz zum Leidwesen seiner Eltern. Diese haben lange noch so in ihrer Trauer gesteckt, dass sie nicht verstanden haben wie er ‚glücklich‘ sein kann, nachdem seine Schwester nicht mehr da ist. Diese Haltung ihm gegenüber hat schlussendlich auch zu einem Bruch geführt und dazu, dass Ash nicht mehr die zweite Geige für jemanden sein möchte. Natürlich weiß Harper ganz und gar nicht wie sie damit umgehen soll … denn ihr Bruder wird immer die höchste Priorität bei ihr haben … neben Ash und Harper darf der Leser noch einige andere großartige Charaktere kennenlernen. Besonders gerne mag ich Becca, Ashtons beste Freundin, welche ehemals die beste Freundin seiner Schwester war. Sie kennt Ashton einfach in- und auswendig und weiß somit genau, wann sie ihm in den Arsch treten muss und wann er eher eine Kuschelbehandlung braucht. Becca ist ein wirklich aufgedrehter, toller Charakter der nicht nur dem Leser, sondern auch allen anderen Buchcharakteren, schnelle ans Herz wächst. Berührt hat mich vor allem aber Harpers Bruder. Die Autorin hat es geschafft mir das Thema Autismus so nahezubringen, dass ich Anfangs ein bisschen feuchte Augen bekam. Und auch im Laufe des Buchs hat es mich immer wieder berührt, wenn Ben auf seine Art Harper gezeigt hat, dass er sie liebt. Vor allem von den Charakteren und ihren Beziehungen zueinander ist das Buch für mich wahnsinnig gelungen.

Schreibstil/Spannungsbogen:

Während mein Abschnitt zu den Charakteren sehr lang ausgefallen ist, werde ich mich hier relativ kurzfassen. Der Schreibstil hat mir wirklich gut gefallen, er war sehr angenehm und leicht. Das Buch hat sich gut ‚weg gelesen‘ und ich hatte nicht das Bedürfnis es weglegen zu wollen oder am nächsten Tag nicht den Wunsch es nicht weiterzulesen. Der Spannungsbogen war meiner Meinung nach etwas moderat. Es wurde zwar nicht langweilig … aber ich würde es auch nicht direkt sehr spannend bezeichnen. Das Augenmerk lag meiner Meinung nach vor allem zwischen dem Wechselspiel der Charaktere und darauf wie sich die Beziehung zwischen Ashton und Harper entwickelt. Natürlich kam es den ein oder andere Handlungshöhepunkt … aber der war meiner Meinung nach relativ vorhersehbar. Für mich ist das vollkommen in Ordnung, ich finde nicht, dass jedes Buch einen unter Dauerstrom setzen muss. Es ist auch sehr angenehm mal etwas ‚leichteres‘ zu lesen, welches vor allem durch seine Charaktere und Emotionalität besticht.

Fazit:

Für mich ist „Das Licht von tausend Sternen“ ein großartiges und emotionales Buch, welches ich mit guten Gewissen jeden weiterempfehlen kann, der gerne Liebesgeschichten (Young Adult) liest. Die Protagonisten sind ihres Alters entsprechend manchmal etwas unsicher oder naiv, aber wie gesagt, ist das für die Handlung sehr passend und authentisch. Für mich besonders war an diesem Buch der Umgang mit dem Thema Autismus. Bisher hatte ich noch wenig Bezug dazu und habe jetzt allerdings das Gefühl einen wirklich guten Einblick in diese Krankheit bekommen zu haben. Natürlich weiß man nicht wie sich ein Autist oder dessen engeres Umfeld fühlt … aber das Buch schafft es auf jeden Fall, dass man mehr Verständnis und Respekt dafür entgegenbringt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wie oben erwähnt ist für mich das bestechende an dem Buch vor allem die Charaktergestaltung und ihre Beziehungen, Dialoge etc. untereinander. Persönlich hätte ich mir noch ein bisschen mehr Spannung bzw. eine etwas überraschendere Wendung gewünscht, aber das ist meine persönliche Meinung und kann für jeden Leser anders sein. Und vor allem, wenn man mehr Lust auf eine entspannte, aber dennoch tiefgründige und emotionale Geschichte hat, ist „das Licht von tausend Sternen“, vielleicht genau das was ihr sucht. ♥


Produktdetails:

  • Seitenanzahl: 384
  • Erscheinungsdatum: 13.03.2020
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 978-3-423-74057-9
  • Verlag: dtv
  • Autor: Leonie Lastella

* Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.


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